Im Juni 2011 gab ich meine Hausarztpraxis auf und folgte dem „Ruf der Wildnis“. Erste humanitäre medizinische Einsätze führten mich nach Kenya, es folgten so einige weitere Stationen in bspw. Sierra Leone, Ghana, auf den Philippinen, in Liberia, in Uganda. Meist war ich als Internist und Generalist unterwegs, in Sierra Leone auch mal eine zeitlang als der einzige chirurgisch tätige Arzt der dortigen Buschklinik. In letzter Zeit bemühe ich mich, besonders auch in der Pädiatrie dazuzulernen. Die Einsatzwirklichkeit fordert einen manchmal aber auch auf Gebieten von A bis Z - von Anästhesie über Geburtshilfe bis zum Zähneziehen reichten die Herausforderungen.

Von allüberall schrieb ich "Einsatznachrichten" per Mail an Kollegen, Verwandte und Bekannte in der Heimat. Da ich schon seit einiger Zeit stolzer Besitzer einer eigenen Webseite bin, war es dann ein Leichtes (Ironie), mich zu überreden, RICHTIG modern zu werden und regelmäßig zu bloggen (!) und so meine Erlebnisse der Weltöffentlichkeit zu präsentieren.

Ich wünsche viel Spaß beim Lesen.
Herzlichst, Euer Rolf.

Sierra Leone, 20. November 2017

Lagerkoller

Liebe Alle,

diesmal schreibe ich Euch von einem meiner kürzesten Einsätze: für nur kaum 4 Wochen bin ich wieder zum Chefarztspielen nach Sierra Leone geschickt worden.

Sehr glamourös ist der Chefarztjob am Serabu Community Hospital – früher: Serabu Catholic Mission Hospital – jedoch nicht: zwar habe ich wieder mein Büro nebst derzeit allerdings oft widerspenstigem Internet, habe ein Doctor‘s House ganz für mich allein und kann mich jederzeit von einem Fahrer durch die Gegend herumkutschieren lassen.
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Sierra Leone, 5. Juni 2017

Zähne, Zahlen, Zubehör

Liebe Alle,

es ist ja schon eine kleine Tradition, dass der zweite Bericht aus einem Einsatz mehr die medizinischen Aspekte erzählt: Im Mai hatte ich ja bereits die sich gern auch hier auf dem Krankenhausgelände wohlig in der Sonne kringelnden, nichtsdestotrotz unbeliebten Mitbewohner erwähnt. Keine zwei Tage später tauchte der erste Schlangenbisspatient auf: der arme Mann kam noch recht glimpflich davon, aber wie wenige Stunden nach Biss in die Hand so ein Arm aussehen kann, ist auf dem Foto illustriert. Weiterlesen …

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Sierra Leone, 14. Mai 2017

Kopflastig

Liebe Alle,

ähnlich wie auf dem Bild abgebildet ist meine derzeitige neue Aufgabe eher kopflastig und erfordert zusätzliche, fast schon weibliche 😉 multitasking-Fähigkeit:

Nach mehr als drei Jahren Abwesenheit bin ich wieder zurück an meiner alten Wirkungsstätte, dem Serabu Community Hospital in Sierra Leone – wie ehedem abgelegen im Regenwald und 3 Stunden Schlammpiste von der nächsten Asphaltstraße entfernt. Alles war schnell wieder vertraut und „drin“: der Geschmack von Palmöl im Essen, das Rascheln der Moskitonetze in der Nacht, den staksigen Gang mit festem Schuhwerk und Tritt, den man hier nachts auf dem Gelände wegen der ungeliebten und sich manchmal am Wegrand kringelnden Mitbewohner drauf hat – usf. Weiterlesen …

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Sudan, 28. März 2017

Beim Klirren der Ketten

Liebe Alle,

wenn Euch der Titel dieses Beitrages seltsam vorkommt, dann geht es Euch wie mir vor ca. 3 Monaten, als ich gebeten wurde, die Medikamentenliste für den jetzigen Einsatz zu prüfen:

Es sollte sich bei diesem Einsatz für die Kaufbeurener Hilfsorganisation Humedica darum drehen, im Rahmen des „Prison Fellowship International“(PFI)-Programms Besuchsreisen von Gefängnissen in Ländern Asiens und Afrikas durchzuführen, in denen rechtliche und gesundheitliche Standards noch unterentwickelt sind. Richtig viel konnte ich mir, da ich das erste Mal auf solch eine Mission gehen würde,darunter noch nicht vorstellen. Warum aber auf dieser Medikamentenliste unter anderem Kindersäfte, gebrauchte Brillen, Seifenstücke und auch Hämorrhoidalcremes standen, fand ich arg seltsam.
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Bangladesh, 8. Dezember 2016

Advent, Advent – kein Lichtlein brennt

Liebe Alle,

inzwischen zieht auch hier in Bangladesh der Winter ein – jedenfalls das, was hier Winter genannt wird. Das heißt nicht, dass ich schon Schnee schippen musste, aber frühmorgens kann es schon mal um die 20, ein Mal sogar 18° „kalt“ sein. Die Geräuschkulisse hier besteht – unangenehmerweise schon morgens um 5 Uhr – aus dem ersten Gebetsaufruf des Muezzins (plus den expektorierend wirkenden Begleitgeräuschen seiner museumsreifen Lautsprecheranlage) statt aus Jingle Bells oder Vom Himmel hoch da komm ich her.
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