…zumindest freier von Tuberkulose als in der Stadt.
Liebe Alle,
der medizinische Teil meines Blogberichtes soll ein wenig meine Verwunderung über das sehr viel seltenere Vorkommen von Lungentuberkulose hier auf dem Lande im Vergleich zu den Erfahrungen in den Slum-Vierteln des ja nicht so weit entfernten Kolkata (ex Kalkutta) zum Ausdruck bringen: Während dort in den Sprechstunden kein Tag ohne wenigstens eine Handvoll Tb-Fälle verging, sind es hier vielleicht einer oder zwei pro Woche.

Die äußerst einfachen Lebensumstände, die ich Euch im vorigen Bericht schilderte, haben natürlich auch ihre eigenen Auswirkungen auf gesundheitliche Aspekte. Hier sind – wohl durch harte Arbeit vs wenig Wohnkomfort – besonders Gelenk- und Rückenprobleme zu nennen. Aber offensichtlich hängt man nicht so eng aufeinander wie in der Stadt, weshalb neben der erheblichen Verringerung der Tb auch die Krätze – wiewohl oft noch vorhanden – genauso wie bspw. Kopfläuse deutlich seltener als in der Stadt sind. Und trotz des Hausens in Lehmhütten ist die persönliche Hygiene weit besser als auch die vom indischen Staat geförderte bessere Trinkwasserversorgung:


Zwar muss, da es natürlich kein fliessend Wasser in den Häusern gibt, man zum Wasserholen zum nächsten Brunnen oder öffentlichen Wasserstelle gehen und sich sein Trinkwasser in Eimern heimholen, aber die Keimbelastung ist ungleich viel geringer als im Moloch Kalkutta.
Viel haben wir mit Haut und Anämien (Blutarmutskrankheiten) verschiedener Ursachen zu tun und bezüglich chronischer Erkrankungen sehr reichlich mit Bluthochdruck und Diabetes (zu beidem neigen die Inder irgendwie schon in vergleichsweise jungem Alter). Bei den älteren Frauen gibt es neben häufigen degenerativen Gelenkerkrankungen viele Fälle von Osteoporose.



Diese sind wahrscheinlich oft durch die Ernährung zumindest mit bedingt: Sehr viele dieser Fälle haben ein bemerkenswert niedriges Körpergewicht: 30 (manchmal sogar weniger) bis 40 kg sind selbst bei diesen nicht sehr großen Menschen einfach wenig! Klar darf man dann oft keine der in Deutschland üblichen Erwachsenen-Dosierungen geben, sondern eher pädiatrische.
Neben aus unklaren Gründen verschleppten chronischen Wunden, die manchmal auch bösartig entarten (Vorsicht beim Bilderangucken, zum Vergrößern antippen oder anklicken, mit dem Zurück-Pfeil wieder schließen) bereiten – wie immer auf diesen Einsätzen – Hautprobleme auf sehr brauner Haut viel (ärztliches) Kopfzerbrechen. Hier eine kleine Auswahl:
Des Weiteren beschäftigen uns hier Anämien, Blutarmutszustände, recht viel. Auf der manchmal sehr dunklen Haut ist anämische Blässe schwer bis gar nicht zu sehen: man muss dazu sich bspw die Farbe der Unterlidinnenseite, der Zunge oder Handfläche und Fingernägel ansehen.

Mit ein wenig Erfahrung ist die Arbeit hier aber unproblematisch zu schaffen. Bei diesem Projekt ist aber so ungewöhnlich wie interessant die Frage: Wie ist eigentlich geregelt, von woher die Patienten zu den täglich wechselnden Standorten der Rolling Clinic kommen sollen?
Das richtet sich nämlich nach den wilden Elefanten, von denen es hier noch recht viele gibt. Für die Bevölkerung werden sie gefürchtet und stellen auch ein wirtschaftliches Problem da, da sie Abends und nachts sich manchmal über Ernten und Gärten hermachen. Die roten Linien auf dieser Karte stellen die Elefanten-Wanderwege dar:

Die RollingClinicStandorte liegen immer zwischen den Wanderwegen und das Einzugsgebiet ist so gewählt, dass die Patienten diese Wege nicht queren müssen.
Es heißt, dass die Elefanten jedoch in den meisten Fällen nur in der Abenddämmerung und nachts unterwegs sind. Wohl deshalb habe ich, trotz dauernder Ausschau und obwohl jetzt eigentlich Saison für diese Zwischenfälle ist (mehrere bestätigte Sichtungen in den letzten Tagen), leider noch keinen Elefanten selbst sehen oder fotografieren können; nur diesbezügliche Warnschilder:


Das war es für heute. Nun nähert sich bald meine Rückreise. Daheim werde ich mich dann erst mal laaaangsam in meinen (Un-)Ruhezustand hinein finden müssen: das mag ein Weilchen dauern. Wo und wann danach der nächste Einsatz erfolgen wird, weiß ich daher heute noch nicht. Aber wenn Ihr mögt, berichte ich dann neu.
Für heute verabschiede ich mich mit meinem diesjährigen Indien-Lieblingsbild:

Euer
R.







































































