Liebe Alle,
da ein Bild bekanntermaßen mehr als viele Worte sagt, möchte ich heute erst mal ein paar Aufnahmen aus meinem neuen Alltag mit Euch teilen. KI-frei sind sie garantiert, schon aus dem Grunde, dass ich viel zu dämlich für den Einsatz von solch nimodschen Tüdelkrom bin.
Der Grund hier zu sein, sind natürlich die Menschen. Es gibt absolut malerische Gestalten, aber man kann, will und sollte nicht Jeden fotografieren. Auch der Verhaltenscodex von GermanDoctors besagt vernünftigerweise, dass jeder Patient vor dem Fotografiertwerden ausdrücklich um sein Einverständnis befragt werden muss. Auch bei Bildern, die lediglich medizinische Befunde dokumentieren sollen, ist ggf die Patientenidentität unkenntlich zu machen (zu den medizinischen Dingen komme ich aber später, in einem anderen Beitrag). Wie nötig diese Begrenzung der Fotografierwut mancher Kollegen ist – da macht man nach einer Weile sehr einschlägige Erfahrungen.
Also hier erst mal eine kleine Galerie interessanter Gesichter, genannt
LEUTE:





















Jeder Abgebildete auf diesen Aufnahmen hat dem Fotografieren zugestimmt. Gerne würde ich bei dieser Gelegenheit noch eine Besonderheit im Umgang mit der indischen Bevölkerung hervorheben: man wird nicht angestarrt, angebettelt, von johlenden Kindern umringt oder zum Kaufen von irgendwas gedrängt – fast irritierend fühlt man sich manchmal beinahe ignoriert … Das empfinde ich aber als große Höflichkeit und Annehmlichkeit – meine Erfahrungen in afrikanischen oder arabischen Ländern waren da teilweise sehr anders!
Außer Gesichtern und Gestalten ist natürlich die Frage interessant: wie leben diese Menschen? Wie unterscheidet sich ihr Alltag von unserem?
Bei den folgenden Bildern, die die Unterschiede teilweise drastisch darstellen, muss man im Hinterkopf behalten: Landleben ist das eine, der Rest u.U. was ganz Anderes. Denn neben den Euch mittelalterlich anmutenden Situationen gibt es ja noch das Indien, das Satelliten ins All schießt, Atommacht ist, dessen Mobilfunknetz besser als das deutsche ist! Und neben sehr reichen Indern, die es schon immer gab, entwickelt sich in den Städten und Orten ganz allmählich eine kleine Mittelschicht, noch zaghaft und bescheiden, aber sichtbar besonders im Vergleich der Jahre. Von denen, die davon aber nicht mal zu träumen wagen, handeln die folgenden Bilder, genannt
DORFLEBEN:

statt Zahnfee

statt Wasserhahn

statt Waschmaschine

statt Umzugswagen

statt Traktor

statt Taxi

statt Tannenwald

statt Supermarkt

statt Schnürmaterial kaufen im Baumarkt

statt Reihenhaus

statt Prunkvilla

statt Plastiktaschen

statt Mecces und nur 25 Cent

statt Maschendraht

statt LKW

statt Kiosk

statt Geschirrspüler

statt Fischstäbchen

statt Fernsehen: Hühner- und Ziegenopferung

statt Elektroherd

statt DHL

statt Couchgarnitur

statt Chili aus dem Gewürzregal

statt Bus

statt Amazon-Lieferung

statt Air Con

statt Air Con Bus

schon fast eine Einbauküche

Lieblingsspeise

Holz statt Schwerter zu Pfugscharen

Ersatz Bus

statt Britney Spears
Dies ist nun mal das Klientel, dem sich GermanDoctors zuwendet. Und das finde ich lobenswert, auch wenn für uns die Anreise hier auf’s Land bzw zurück in die Stadt mühselig ist: vier bis 5 Stunden Autofahrt sind es nach Kolkata (Kalkutta). Die meisten anderen Hilfsorganisationen siedeln ihre Projekte sonst nämlich in den Städten an, am liebsten in den Hauptstädten und flughafennah. Aber der Bedarf ist nun mal hier, in der „Pampa“! Bei Sonnenschein und tags wirkt Vieles sicherlich idyllisch. Aber das ist nachts oder bei Sturm und Regen erstens anders und zweitens gibt’s für die Dorfbewohner keine Alternative und auch nur sehr wenig Aussicht, von dort jemals fort zu kommen.
Englisch kann hier fast niemand; mancher spricht auch nicht mal Bengali sondern eine von drei Ortssprachen. Aber immerhin ist die Alphabetisierungsrate hier (wenn auch nur für Bengali) deutlich höher als seinerzeit in den Slums von Kolkata oder als in den afrikanischen Ländern, in denen ich bisher arbeitete.
Die Schrift mutet seltsam an. Aber sie wird, wie unsere, von links nach rechts geschrieben, es ist eben nur der Strich (die Grundlinie, auf der wir ja früher das Schreiben zu lernen begannen, wie Ihr Euch vielleicht erinnert) halt oben statt unten.
Auf Bengali sieht z.B. der Satz
Bis demnächst; ich schreibe bald mal wieder
folgendermaßen aus:
তাহলে লিং, আমি শীঘ্রই আবার লিখব।
In diesem Sinne:
Namaste, Euer R.