Im Juni 2011 gab ich meine Hausarztpraxis auf und folgte dem „Ruf der Wildnis“. Erste humanitäre medizinische Einsätze führten mich nach Kenya, es folgten so einige weitere Stationen in bspw. Sierra Leone, Ghana, auf den Philippinen, in Liberia, in Uganda. Meist war ich als Internist und Generalist unterwegs, in Sierra Leone auch mal eine zeitlang als der einzige chirurgisch tätige Arzt der dortigen Buschklinik. In letzter Zeit bemühe ich mich, besonders auch in der Pädiatrie dazuzulernen. Die Einsatzwirklichkeit fordert einen manchmal aber auch auf Gebieten von A bis Z - von Anästhesie über Geburtshilfe bis zum Zähneziehen reichten die Herausforderungen.

Von allüberall schrieb ich "Einsatznachrichten" per Mail an Kollegen, Verwandte und Bekannte in der Heimat. Da ich schon seit einiger Zeit stolzer Besitzer einer eigenen Webseite bin, war es dann ein Leichtes (Ironie), mich zu überreden, RICHTIG modern zu werden und regelmäßig zu bloggen (!) und so meine Erlebnisse der Weltöffentlichkeit zu präsentieren.

Ich wünsche viel Spaß beim Lesen.
Herzlichst, Euer Rolf.

Liberia, 22. Februar 2015

„Was machen wir hier eigentlich?“

Stiefelausgießen in Monrovia

Stiefelausgießen in Monrovia

Liebe Alle,

Ebola ist m.W. aus Euren heimatlichen Schlagzeilen verschwunden – aus der Alltagsrealität hier jedoch noch nicht: die Epidemie schwelt noch immer weiter, zwar auf erfreulichst niedrigem Niveau, ist aber keineswegs beendet. So hat letzte Woche ein einzelner, zunächst unerkannt gebliebener Patient 17(!) weitere Menschen mit Ebola angesteckt. Um Ebola jedoch nicht – was eine Katastrophe wäre – endemisch werden zu lassen (d.h., dass sich der Keim dauerhaft in Westafrika einnistet und mal mehr, mal weniger große, aber andauernde Bedrohung darstellen wird), kommt es drauf an, wirklich ausnahmslos alle Infektionsfälle zu finden, sie zu isolieren und die komplette maximal mögliche Krankheitsdauer über effektiv zu isolieren. Das tun zwar schon die etwa 20 ETU´s (Ebola Treatment Center), die es hierzulande gibt. Weiterlesen …

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Liberia, 30. Januar 2015

In A Yellow Submarine

Guess

Guess who?

Liebe Alle,

mein schauspielerisches Talent hat sich schon immer in gewissen Grenzen gehalten – aber derzeit habe ich dennoch ein Dauerabonnement als Marsmenschendarsteller. Die schicken Ebola-Schutzanzüge habt Ihr gewiss alle schon mal auf Abbildungen gesehen?!?

Zwar bin ich erst seit einigen Tagen hier in Monrovia/Liberia, aber ich kann Euch jetzt schon versichern, dass das Tragen dieser PPE (Personal protective equipment) genannten Schutzanzüge eine Art sportliche Herausforderung ist: nach einer Stunde ist, besonders um die Mittagszeit, sollte man besser wieder raus aus dieser knallgelben Ganzkörpergummihülle (die, ergänzt durch Gummistiefel, zwei Gesichtsmasken, drei! Lagen Handschuhe, Gummischürze, großer Kopfhaube, Skifahrerbrille und ggf zusätzliche Klebebandstreifen nicht einen einzigen Quadratmillimeter atmungsfähige Haut übrig lässt). Das Rauskommen ähnelt dann mit seinem Schnaufen und Prusten dem Auftauchen eines U-Bootes: nur dass dies innen trocken und von außen nass ist, was wiederum bei der PPE genau umgekehrt ist. Und ein Liter Flüssigkeitsersatz sowie das vollständige Wechseln der kompletten Unterbekleidung sind dann angesagt. Weiterlesen …

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Ghana, 11. Oktober 2014

Freedom and Justice

Freiheit und Gerechtigkeit ....

Freiheit und Gerechtigkeit …

Liebe Alle,
vom Wochenende in Ghanas Hauptstadt Accra habe ich das beigefügte Motiv mitgebracht. Es zeigt den Black Star Triumphbogen, der anlässlich Ghanas Unabhängigkeit von Großbritannien, 1957, errichtet wurde. Ghana (die ehemals sog. Goldküste) ist damals eine der ersten Kolonien in Afrika gewesen, die die Unabhängigkeit erreichten. Es hat seitdem als Erfolge vorzuweisen, dass es der Wirtschaft etwas besser geht als den Nachbarn, Armut weniger immens weit verbreitet ist und sich allmählich eine kleine Mittelschicht herausbildet, die – wenn sie es bezahlen kann – sogar Zugang zu einer recht guten akademischen Ausbildung hat. Der Staat ist – wie oft auf diesem Kontinent – überbürokratisch, aber Manches – unter Hintansetzung europäischer Maßstäbe – funktioniert immerhin irgendwie. Vor Allem aber: trotz aller evtl. Mauschelei und Schiebung bleibt festzuhalten, dass Ghana seit seiner Gründung keine Putsche, sondern nur demokratische Machtwechsel erlebt hat und damit zu Recht als eine der wenigen Demokratien auf diesem Kontinent rühmen darf. Stolz prangt nun auf dem Triumphbogen (aber auch jeder Banknote und jedem offiziellen Stückchen Papier) das Staatsmotto „Freedom and Justice“ – Freiheit und Gerechtigkeit. Weiterlesen …

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Ghana, 29. September 2014

bmngtfvb cbb aus Ghana

Die Kunst des Improvisierens ...

Die Kunst des Improvisierens …

Wenn Ihr jetzt nicht gleich wisst, was
„bmngtfvb cbb“
bedeuten soll, sei Euch gnädig verziehen. Denn: das ist die Buchstabenkombination, die beispielsweise entsteht, wenn man mit dem Kopf auf der Tastatur einschläft. Und das ist mir dieser Tage schon zwei mal geschehen.

Warum das indirekt mit Ebola zu tun hat, will Euch gern erklären: zwar ist hier in Ghana noch kein einziger(!) Fall an Ebola aufgetaucht, aber in den Ländern rundum gab es ja nun mal Fälle und man wartet hier fast schon mehr drauf, wann es ankommen wird als darauf, ob es ankommen wird. Deshalb widerum verziehen sich die jüngeren Ärzte lieber in die großen Städte, weil sie sich – vielleicht nicht unberechtigt – dort sicherer fühlen: die Krankenhäuser sind meist besser ausgerüstet, das Sanitätswesen und die Kontrollmaßnahmen würden dort vielleicht besser als in der Provinz funktionieren und die Kollegen wären nicht die jeweils eventuell Einzigen, die sich dem Problem stellen müssten. Darum ist auch hier, in Eikwe, von 4 Assistentenstellen nur eine einzige besetzt – und entsprechend „gut“ habe ich zu tun.

Langeweile kam daher bislang wenig auf – und dennoch macht es Spaß: denn wie Ihr Euch vielleicht aus den Ghana-Rundbriefen des vorigen Jahres erinnert, sind die diagnostisch-technischen Möglichkeit hier deutlich besser als z.B. in Sierra Leone und die Arbeit besonders mit den Schwestern ist im Vergleich viel produktiver und flüssiger – sie sind nicht nur merklich besser ausgebildet, sondern auch sehr einsatzbereit und „freuen sich ein Loch in die Mütze“, dass man da ist und arbeitet.

Nachts könnte die Freude nur manchmal etwas seltener geäußert werden… 🙂

Für die Besorgten unter Euch noch mal ein Weniges zu Ebola: zwar leben wir hier nahe der schlecht gesicherten Grenze zur Elfenbeinküste und haben außerdem noch ein Flüchtlingslager mit vielen ungeklärten Nationalitäten in der Nähe und deshalb kein ein Ausbruch nicht ausgeschlossen werden. Aber bislang war eben noch gar nichts und darum ist derzeit die Wahrscheinlichkeit, dass ich von einer Kokosnuss erschlagen werde, wesentlich höher als die, von Ebola infiziert zu werden. Und immerhin hätten wir die Möglichkeit, hier eine Isolierstation zu improvisieren und haben neuerdings sogar einen Posten Schutzanzüge auf Lager – sollte das Problem kommen, müsste man sich ihm halt stellen.

Bis dahin bin ich erst mal gern hier, erfreue mich an dem derzeit kühlen Wetter (heute Nacht zB 26°) und der komfortablen Wohnsituation – nur dass ich es bisher noch nicht ein Mal zum Schwimmen im großen Tümpel nahebei gebracht habe, wurmt mich.

Viele liebe Grüße,
Euer R.

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Philippinen, 20. Juni 2014

Im Wilden Osten

Da hilft nur noch Muskelkraft

Da hilft nur noch Muskelkraft

Nein, nein, ich mag Reis. Wirklich. Und ich lass mich davon nicht abbringen – Reis ist klasse und nahrhaft und schmeckt prima! Jawohl.
Aber momentan schleicht sich in sein und mein Verhältnis eine gewisse Ambivalenzkomponente ein. Denn Reis gibt es auf unserer Rolling Clinic Tour durch die Berge Ost-Mindanaos nicht nur zum Mittagessen und zum Abendbrot, sondern auch zum Nachmittagstee und (Ihr werdet’s erraten haben) auch schon zum Frühstück.

Aber wir bleiben Freunde, der Reis und ich; bestimmt.
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