Im Juni 2011 gab ich meine Hausarztpraxis auf und folgte dem „Ruf der Wildnis“. Erste humanitäre medizinische Einsätze führten mich nach Kenya, es folgten so einige weitere Stationen in bspw. Sierra Leone, Ghana, auf den Philippinen, in Liberia, in Uganda. Meist war ich als Internist und Generalist unterwegs, in Sierra Leone auch mal eine zeitlang als der einzige chirurgisch tätige Arzt der dortigen Buschklinik. In letzter Zeit bemühe ich mich, besonders auch in der Pädiatrie dazuzulernen. Die Einsatzwirklichkeit fordert einen manchmal aber auch auf Gebieten von A bis Z - von Anästhesie über Geburtshilfe bis zum Zähneziehen reichten die Herausforderungen.

Von allüberall schrieb ich "Einsatznachrichten" per Mail an Kollegen, Verwandte und Bekannte in der Heimat. Da ich schon seit einiger Zeit stolzer Besitzer einer eigenen Webseite bin, war es dann ein Leichtes (Ironie), mich zu überreden, RICHTIG modern zu werden und regelmäßig zu bloggen (!) und so meine Erlebnisse der Weltöffentlichkeit zu präsentieren.

Ich wünsche viel Spaß beim Lesen.
Herzlichst, Euer Rolf.

Die chirurgische Frauenstation

Die chirurgische Frauenstation

Einige Sectios und Appendektomien weiter hat sich fast schon ein wenig Alltag und Normalität hier breitgemacht. Die Sierra Leonans scheinen entweder besonderen Wert auf Sonntagskinder zu legen oder haben vielleicht einfach nur am Wochenende Zeit, ihre Kinder zu gebären: auch diesen Sonntag ist die Maternity (Gebärstation) voll gewesen und es fielen an diesem sowieso arbeitsreichen Tag gleich zwei Kaiserschnitte an. Am Ende dieses Tages habe ich mir dann das erste Star-Bier gegönnt: nix Gutes mehr gewöhnt (auch einen Kühlschrank haben wir in unserem Krankenhaus nicht) kriegte ich erst mal ein Oh-Schreck-Sodbrennen, was ich aber schnell als psychosomatische Zimperlichkeit einordnen und deshalb die nächsten anderthalb Flaschen wonnevoll genießen konnte. Wenn man das nur jeden Tag machen könnte! Weiterlesen …

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Sierra Leone, 2. Januar 2012

Wie ich Millionär wurde

Das Buschkrankenhaus

Das Buschkrankenhaus

Gleich nach Weihnachten bekam ich eine Nachbescherung: ich wurde Millionär.

Und das ging ganz einfach: aus dem weihnachtlich verzierten Wohnzimmer fuhr ich zum weihnachtlich geschmückten Langenhagener Flughafen und flog von da aus zu den weihnachtlich geschmückten Flughäfen London und Freetown/Sierra Leone, wo es dank weihnachtlicher Feiertagsstimmung mit dem rechtzeitigen Abholen nicht so ganz klappte. Daher musste ich mir etwas Geld eintauschen, auch wenn ich wusste, dass bis Mitte Februar nicht allzu viel Gelegenheit zum Ausgeben sein würde. Im recht afrikanischen Getümmel dieses Flughafens (vom Gebäude her eher einem dt. Kleinstadtbahnhof entsprechend) schob ich also 200 € über den Banktresen und bekam einen 3 cm hohen Geldstapel zurück, der 1 Million und sechzigtausend SL Leones enthielt. Weiterlesen …

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Kenia, 1. November 2011

Alltag der ruppigen Art

Der Slum von Mathare, Nairobi, Kenia

Der Slum von Mathare, Nairobi, Kenia

Dr. med. Rolf-Ferdinand Gehre aus Hannover berichtet von einem Tag im Nairobi-Slum-Health-Project von „Ärzte für die Dritte Welt.“

Der Weg durch Dreck und Exkremente runter in den Slum von Mathare ist heute um Rutschgefahr: es hat schon ein paar Tage nicht mehr geregnet.

Als erstes an diesem Morgen wird uns Bornface in den Notfallraum getragen – er ist wirklich übel zugerichtet: 2 Stunden vorher ist er von acht vermutlich unter Drogeneinfluss stehenden Räubern mit einem Buschmesser und einer Rasierklinge angegriffen worden. Die zwei oder drei Euro Geld, die er zu geben hatte, konnten sie nicht davon abhalten, ihm eine zwei Handflächen große Deskalpierungsverletzung des Hinterkopf sowie mehrere Stich- und Schnittwunden an Hals , Brustkorb und Bauch zuzufügen und seinen linken Daumen fast ganz abzutrennen. Weiterlesen …

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