Philippinen, 8. Mai 2018

Die 118. Reismahlzeit …

… war das Frühstück im Bergdorf Aggancan: der unvermeidliche knoblauchgewürzte Reis plus Bratfisch und Gemüse von gestern (man gewöhnt sich auch daran!).
Um sieben Uhr schultern wir die Rucksäcke, wandern erst über eine rostige Hängebrücke über den Fluss zur anderen Talseite und dann durch Reisfelder auf so schiefen wie rutschigen und steilen Pfaden bergauf zum Health Center des nächsten Dorfes. Trotz der frühen Stunde ist es schon ziemlich heiß und wir bereits durchgeschwitzt.

Während die nassen Schuhe in der Sonne trocknen, betätigen wir uns als buchstäbliche Barfußärzte: Wunden nähen mit Restfäden unter, sagen wir mal, rustikaler Hygiene, reine 5-Sinne-Diagnostik (das Ultraschallgerät nehmen wir bei nur zu Fuß erreichbaren Dörfern nicht mit: selbst masochistischer Lustgewinn hat seine Grenzen!) und tapferstes Kämpfen gegen die Hindernisse einer hiesigen Krankengeschichtenerhebung.

Beispiel gefällig?
1.) Frage: „Wie lange hustet das Kind schon?“ Antwort: „Long time, Doc!“ Gegenfrage: „What is long time? More than 5 days or more than 5 months or more than 5 years???“ Gegenantwort: „More than 5 years, Doc!“. (Kann aber nicht sein – das Kind ist erst 4 Jahre alt).
2.) Bauchwehabklärung (natürlich „long time“…). Frage: „Wo tut es weh und wann?“. Die Antwort „ Immer und überall!“ überrascht schon nicht mehr, aber leicht verzweifeln lässt die gleichlautende Antworten „Yes, Doc!“ sowohl auf die Fragen nach Durchfall wie auf die nach Verstopfung und nach Gewichtszunahme genauso wie nach Gewichtsverlust.

Zum Trost traktiert man uns zwischendurch mit selbst angebautem Kaffee und Kuchen – natürlich aus Reis …

Tuberkulose ist häufig, HIV kommt sehr selten vor, Malaria und Bilharziose erfreulicherweise gar nicht. Viele Hautprobleme, einiges an Wurmerkrankungen und Allergien, auch das übliche Quantum an Atemwegs- und Harnwegsinfektionen, ein paar Fälle an rheumatischer Herzerkrankung. Angesichts der prekären Wassergewinnungsmöglichkeiten bemerkenswert wenig Durchfallerkrankungen. Auch die persönliche Hygiene ist hoch: pausenlos wird geduscht oder gebadet, die Kleidung mag ärmlichst sein, ist aber garantiert sauber.

Zum Mittagessen sind wir immer bei einer örtlichen Familie eingeladen. Dann gibt es – klar – Reis, dazu den Gästen zu Ehren, besonders fettes Schweinefleisch: das ist für unsere ins schlicht und einfach nicht ohne Würgreiz schluckbar und es erfordert aufwändige Manöver, um von dieser unserer Unfähigkeit abzulenken.

Nach Sprechstundenende nachmittags wird Alles wieder in Säcke oder Kisten verpackt und zum Auto zurück geschleppt. Die Weiterfahrt zum Einsatzort für den nächsten Tag läutet aber keineswegs den Feierabend ein: das Festhalten und das Kopf-nicht-an-die-Kabinenwand-deppern-lassen ist auf den extrem wilden, steilen und holprigen Wegen manchmal anstrengender als die Tagesarbeit.
Gelegentlich sind wir auf Straßen unterwegs, auf denen noch das Beruhigendste ist, dass man die Wracks der abgestürzten Autos deshalb vom Wagen aus nicht sehen kann, weil es neben der schmalen Fahrbahn viel zu steil und tief bergab geht. Sogenannte Landslides, also Erdrutsche, die die Strasse verlegen, sind an der Tagesordnung und haben mehr mit der Steilheit des Geländes und zu kühnem Straßenbau zu tun als mit Erdbeben, von denen wir nachts auch mal ein kleines erleben durften.

Aber bisher sind wir heil überall angekommen.

Entweder kommen wir bei einer Familie im Haus unter und werden bekocht oder übernachten in einem Health Center oder einer Art Dorfgemeinschaftshaus und kochen selber: in jedem Fall aber ist Reis dabei!

Hoffentlich gefällt Euch die kleine Bilderstrecke, die ich beigefügt habe und hoffentlich lädt mich niemand von Euch in den nächsten vier Wochen zum Reisessen ein,

herzlichst,
Euer R.

Sprechstunde unter freiem Himmel

Sprechstunde unter freiem Himmel


Reisterrassen, z.T. uralt

Reisterrassen, z.T. uralt


Unsere High Tech-Instrumentensterilisation

Unsere High Tech-Instrumentensterilisation


Materialtransport

Materialtransport


Der Strich da oben ist die Strasse - und die ist von Nahem gar nicht so waagerecht.

Der Strich da oben ist die Strasse – und die ist von Nahem gar nicht so waagerecht.


Einer der besseren Straßenabschnitte (man kann immerhin aussteigen und fotografieren)

Einer der besseren Straßenabschnitte (man kann immerhin aussteigen und fotografieren)


Das bewährte und geschätzte Moskitonetz

Das bewährte und geschätzte Moskitonetz


Begegnung unterwegs (1)

Begegnung unterwegs (1)


Klo Business Class (da mit! Wasserschlauch)

Klo Business Class (da mit! Wasserschlauch)


Begegnung unterwegs (2)

Begegnung unterwegs (2)


Im Freibad

Im Freibad


Mittagessen mit Familienanschluss.

Mittagessen mit Familienanschluss.


Feierabend!

Feierabend!


Die Medikamentenausgabe hat grad Pause

Die Medikamentenausgabe hat grad Pause


Der Weg ist das Ziel...

Der Weg ist das Ziel…


Ein typisches dörfliches Health Center

Ein typisches dörfliches Health Center


Pausensnacks: Reis(!!) Kuchen, Kokosnussmilch und Kaffee

Pausensnacks: Reis(!!) Kuchen, Kokosnussmilch und Kaffee


Landschaftlich einfach toll.

Landschaftlich einfach toll.


Und RICHTIG! Feierabend mit philippinischer Zigarre und Zuckerrohrwein.

Und RICHTIG! Feierabend mit philippinischer Zigarre und Zuckerrohrwein.

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Erwin Neu 10.05.2018

Lieber Dr. Gehre,
wir freuen uns immer über ihre humorigen Reiseberichte aus weiter Ferne, Abenteuer
pur, mit viel Reis, netten Menschen und tollen Fotos. Man mus schon tapfer sein um
sich wieder an ein Leben in der Heimat zu gewöhnen!! Danke für die Teilnahme an
den doch so spannenden Unternehmungen und ganz liebe Grüße in die Ferne…..
Birgit & Erwin Neu